Zu lesen am: Karfreitag

 

 

Hinweis: Die Geschichte richtet sich an einen Vater – an jeden, der ein Vater ist – und an jeden, der sich in eine Person hineindenken kann, der ein Vater ist oder sein könnte. Der Vater wird mit DU angesprochen.

 

Der Tag ist vorüber, DU fährst gerade nach Hause. DU schaltest dein Radio ein und hörst einen kurzen Bericht über ein kleines Dorf in Indien, wo einige Dorfbewohner plötzlich und auf merkwürdige Weise an einer Grippe gestorben sind, die noch völlig unbekannt ist. DU vernimmst, dass es drei oder vier Tote gegeben hat. Es interessiert DICH nicht wirklich.

Man entsendet einige Ärzte dorthin, um diese Sache näher zu untersuchen. DU denkst dir bei der Sache nicht viel, aber am Sonntag, als DU gerade vom Gottesdienst nach Hause kommst, hörst DU einen weiteren Bericht im Radio. Alles was sie sagen ist, dass es nicht drei, sondern 30 000 Dorfbewohner sind, dort auf dem Bergrücken dieser einen besonderen Gegend in Indien; und an diesem Abend kommst es sogar im Fernsehen. ARD bringt einen kurzen Bericht. Der Gesundheitsminister Bahr wird befragt und einige Ärzte vom Frauenhofer Institut. Man hat früher von solchen Krankheitssymptomen nie gehört hat. Am Montagmorgen, als DU aufstehst, ist es die Hauptnachricht. Die Grippe beschränkt sich nämlich nicht mehr nur auf diese eine Region in Indien, sondern sie grassiert bereits in Pakistan, Afghanistan, Iran, und bevor DU es überhaupt realisierst, hörst DU diese Sache überall und sie haben es zu “der mysteriösen Grippe” gemacht. Die Bundeskanzlerin hat einen Kommentar abgegeben, dass er und jeder andere betet und hofft, dass alles gut wird da drüben. Aber jeder fragt sich, “Wie werden wir diese Sache in den Griff bekommen?” Das ist der Moment, in dem der Präsident von Brasilien eine Ankündigung macht, die ganz Amerika schockiert. Er schließt die Grenzen. Keine Flüge mehr von Indien, Pakistan oder irgendeinem anderen Land, wo diese Krankheit tobt.

An diesem Abend schaust DU noch ein bisschen fern bevor DU ins Bett gehst. DEIN Kiefer klappt weit auseinander, als eine weinende Frau von einem brasilianischen Nachrichtenprogramm ins Deutsche übersetzt wird: “Es liegt ein Mann im Krankenhaus von Sao Paulo, der an der mysteriösen Grippe stirbt.” Die Krankheit hat Amerika erreicht. Panik greift um sich. Alles, was die Experten bisher über diese Krankheit sagen können ist, dass man angesteckt wird. Man merkt noch nichts, denn die Inkubationszeit beträgt eine Woche. In dieser Zeit bemerkt man nichts. Dann leidet man vier lange Tage unter unglaublichen Schmerzen und stirbt schließlich. Die USA schließen ihre Grenzen, aber es ist bereits zu spät. Washington, New York, Detroit und in noch weiteren Städten werden Krankheitsfälle entdeckt. Die Europäer versuchen sich abzuschotten. Der Ratsvorsitzende gibt bekannt: “Wegen eines nationalen Sicherheitsrisikos sind alle Flüge nach und von Amerika und Asien gestrichen worden. Wenn Ihre Angehörigen in Übersee sind, so tut es mir leid. Sie können nicht zurückkommen, bis wir ein Mittel gegen diese Krankheit gefunden haben.“

Innerhalb von vier Tagen wurden aber auch die Menschen in Europa von einer großen, lähmenden Angst gepackt. Einige Menschen kaufen kleine Gesichtsmasken. Andere reden darüber, was passiert, wenn es sich auch in unsere Städte ausbreitet. Es gibt Prediger, die lauthals rufen: “Das ist die Strafe Gottes”.

Es ist Mittwochabend und DU bist gerade in einem Gebetstreffen DEINER Gemeinde, als jemand vom Parkplatz herein gerannt kommt und sagt, “Macht das Radio an, macht das Radio an.” Während im Gemeindehaus jemand ein kleines Transistorradio herbeigezaubert und eingeschaltet hat, hört man eine Bekanntmachung: “Zwei Frauen liegen in einem Krankenhaus in Paris im Sterben – wegen der mysteriösen Grippe.” Es scheint, als würde die Krankheit binnen Stunden über den Kontinent hinwegfegen. Es werden Kranke in München und in Würzburg gemeldet. Die Einschläge kommen immer näher.

Menschen arbeiten rund um die Uhr daran, ein Gegenmittel zu finden. Nichts funktioniert. Portugal, Spanien, Frankreich, Deutschland in vielen Städten werden Kranke entdeckt, die bald auch sterben. Es scheint als rolle die Krankheit über alle Menschen hinweg.

Dann, plötzlich und unerwartet kommt die Nachricht. Der Code sei entschlüsselt. Die bedeutet, dass ein Heilmittel gefunden, ein Impfstoff kann hergestellt werden kann. Man muss nur das Blut eines Menschen nehmen, der noch nicht infiziert ist. So werden alle Menschen aufgefordert, etwas ganz Einfaches zu tun: “Gehen Sie zu dem Krankenhaus in ihrem Ort und lassen Sie Ihre Blutwerte bestimmen. Das ist alles, worum wir Sie bitten.“

Viele Menschen folgen diesem Aufruf. DU und deine Familie gehen ins Fürther Krankenhaus. Dort steht schon eine lange Schlage Menschen, und da sind Krankenschwestern und Ärzte, die bis auf die Straße herauskommen und jedem der Wartenden einen kleinen Tropfen Blut abnehmen. Es kommt in ein Gläschen, das mit dem Namen beschriftet wird. DU und DEINE Frau und DEINE Kinder sind vor dem Krankenhaus. Euere Blutproben sind schon weggebracht worden. Nun wartet IHR. Ein Arzt hat gesagt: “Warten Sie hier auf dem Parkplatz und wenn wir Ihre Namen aufrufen, sind Sie entlassen und können nach Hause gehen.” DU stehst geängstigt da, mit deinen Nachbarn um dich herum, fragst dich, was um alles in der Welt hier vor sich geht und ob dies das Ende der Welt sei.

Plötzlich kommt ein junger Mann aus dem Krankenhaus gelaufen und ruft laut. Er ruft einen Namen und winkt mit einer Schreibunterlage. Was? Er ruft es noch einmal! Und DEIN Sohn zerrt an deiner Jacke und sagt: “Papa, das bin ich.” Bevor DU es richtig mitbekommst, haben sie DEINEN Jungen schon mitgenommen. “Wartet mal. He, bleibt mal stehen!” Aber sie sagen: “Das geht in Ordnung. Sein Blut ist sauber. Sein Blut ist rein. Wir wollen sichergehen, dass er die Krankheit wirklich nicht hat. Wir denken, dass er das richtige Blut hat.” Fünf spannungsvolle Minuten später kommen die Ärzte und Krankenschwestern heraus, weinen und umarmen sich gegenseitig. Einige lachen sogar. Es ist das erste Mal dass DU seit einigen Tagen jemanden lachen siehst. Ein alter Doktor kommt zu DIR und sagt: “Danke, mein Herr. Das Blut ihres Sohnes ist perfekt. Es ist sauber, es ist rein und wir können einen Impfstoff herstellen.” Als diese Nachricht überall auf dem Parkplatz voller Menschen um sich greift, schreien Menschen, beten, lachen oder weinen. Aber dann nimmt der grauhaarige Doktor DICH und  DEINE Frau beiseite und sagt: “Können wir Sie einen Moment sprechen? Wir waren uns nicht dessen bewusst, dass der Spender minderjährig sein würde und wir bitten Sie…wir bitten Sie diese Einverständniserklärung zu unterschreiben.” DU bist schon dabei zu unterschreiben und dann siehst DU, dass auf dem Formular das Feld mit der Menge an Blut, die entnommen werden soll noch frei ist. “W-w-w-wieviel Blut werden Sie denn entnehmen?” In diesem Moment entweicht das Lächeln aus dem Gesicht des alten Mannes und er sagt: “Wir hätten niemals gedacht, dass es ein kleines Kind sein würde. Wir waren nicht vorbereitet. Wir brauchen alles!” “Aber-aber…” “Sie verstehen nicht. Wir reden hier über die
gesamte Welt. Bitte unterschreiben sie. Wir brauchen alles – wir brauchen alles!” “Aber können sie ihm denn keine Transfusion geben?” “Wenn wir sauberes Blut hätten, würden wir es machen. Können Sie jetzt bitte unterschreiben? Bitte unterschreiben Sie.” In der betäubenden Stille tust DU es. Dann sagen sie:  ”Wollen Sie einen Moment mit ihm haben, bevor wir anfangen?” Kannst DU da jetzt einfach so reingehen? Kannst DU zu Deinem Sohn gehen, in diesen Raum, wo er auf dem Tisch sitzt und fragt: “Papa? Mama? Was passiert hier?” Kannst DU seine Hände nehmen und sagen, “Sohn, deine Mami und ich lieben DICH, und wir würden niemals etwas zulassen, was nicht wirklich sein muss. Verstehst DU das?” Und wenn der alte Doktor wieder hereinkommt und sagt: “Es tut mir leid, wir müssen – wir müssen jetzt anfangen. Da sterben Menschen auf der ganzen Welt.” Kannst DU ihn zurücklassen? Kannst DU hinausgehen, während er sagt, “Papa? Mama? Papa? Warum – warum habt ihr mich verlassen?”

Nächste Woche wird eine Feier zu Ehren DEINES Sohnes gegeben. Alle Menschen sind eingeladen. Alle Menschen haben DEINEM Sohn ihr Leben zu verdanken. Aber es kommen nur sehr wenige zu dieser Feier. Einige schlafen während der Feier ein, weil sie sehr müde sind. Andere kommen sogar mit einem überheblichen Lächeln auf den Lippen und geben nur vor, sich dafür zu interessieren. Viele aber sind gar nicht erst gekommen. Sie haben es vorgezogen, einen Ausflug zu machen, auszuschlafen, mit der Familie gemütlich zu frühstück oder sie machen etwas ganz anderes, etwas, was ihnen einfach wichtiger ist.

Würdest DU nicht aufspringen wollen und schreien “MEIN SOHN IST GESTORBEN! IST EUCH DAS DENN TOTAL EGAL?”

 

Hinweis: Ich habe diese Geschichte im Internet gefunden. Das Original ist in englischer Sprache. Der Verfasser ist mir unbekannt. Ich habe die Geschichte etwas umformuliert, ohne die ursprüngliche Intension zu verändern.

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

*