Was unterscheidet die Katholiken von Luther,Calvin, Zwingli und von Müntzer und den Täufern?

Offenbarungsverständnis
Wie offenbart sich Gott dem Menschen – und daraus folgt: wie kann theologisch verantwortet argumentiert werden?
Katholiken Die Offenbarung erfolgt durch die Buchstaben der Heiligen Schrift und durch die Tradition der kirchlichen Auslegung.
Luther, Calvin und Zwingli Die Offenbarung erfolgt durch die Buchstaben der Heiligen Schrift.
Die Täufer, Müntzer Die Offenbarung erfolgt unmittelbar durch den Heiligen Geist gegenüber dem Einzelnen, was eine radikale Spiritualisierung und Individualisierung des Glaubens bedeutet.

 

Abendmahlsverständnis
War auch die Taufe recht unstreitig, entzündeten sich am Abendmahl die unterschiedlichen Sakramentsverständnisse.
Katholiken Durch die Gedächtnisfeier des Abendmahles (Eucharistie) verwandelt sich Brot und Wein in Christi Leib und Blut (Transsubstantiation).
Luther In der Gedächtnisfeier des Abendmahls ist in Brot und Wein Christi Leib und Blut real präsent (Konsubstantiation).
Calvin Zwar gibt es in der Gedächtnisfeier keine Verwandlung von Brot und Wein, doch haben sie beim Gläubigen die stärkende Wirkung von Leib und Blut Christi.
Zwingli, Die Täufer Das Abendmahl wird als bloße Gedächtnisfeier betrachtet.
Müntzer Abendmahl als Nachvollzug des Leidens Christi, Brot und Wein als Vermittler des Geistes Christi.

 

Kirchenverständnis
Immer dringlicher wurde die Frage nach der „wahren“ Kirche und woran und inwieweit sie erkennbar ist.
Katholiken Wahre und sichtbare Kirche als Gemeinschaft der Gläubigen der Kirche von Rom, die durch die Vermittlung des Klerus garantiert ist.
Luther Sichtbare Kirche der Getauften und wahre, jedoch unsichtbare Kirche als Gemeinschaft aller Gläubigen.
Calvin und Zwingli Kirche als (mit der politischen Gemeinde möglichst kongruente) korporative Abendmahlsgemeinschaft.
Die Täufer, Müntzer Kirche als Geistkirche der Freiwilligen und Auserwählten.

 

Verhältnis zur obrigkeitlichen Gewalt
Die Verhältnisbestimmung zwischen geistlicher und weltlicher Herrschaft war von jeher ein umstrittener Punkt.
Katholiken Zwei-Schwerter-Lehre: die weltliche Obrigkeit übt ein gottgewolltes Amt aus, über dieser steht jedoch noch die geistliche Herrschaft in der Person des Papstes.
Luther Zwei-Reiche-Lehre zwischen forum internum und forum externum (inneres Gewissen und äußere Gewalt); die Obrigkeit übt ein gottgewolltes Amt, indem sie mit dem Schwert die Gottlosen in Schach hält; diese Gewalt endet vor dem Gewissen des Einzelnen, über die sie nicht gebieten darf; den Missbrauch der obrigkeitlichen Gewalt in allem Äußerlichen muss der Gläubige passiv erdulden.
Calvin und Zwingli Vertreten die Auffassung, die geistliche Herrschaft komme der weltlichen Obrigkeit zu; die weltliche Ordnung muss dem Evangelium entsprechen; tut sie das nicht, so haben die Gläubigen ein Widerstandsrecht. Bei Zwingli und Calvin findet sich ein größeres aktives Engagement für die öffentliche Ordnung (Tendenz zur Theokratie; Erfahrungshintergrund: Stadtrepubliken) als bei Luther (Erfahrungshintergrund: Fürstliche Landesherrschaft).
Die Täufer, Müntzer Ablehnung aller kirchlichen Obrigkeit, das Abstreifen aller weltlichen Bindungen, die Ablehnung von Kriegsdienst, Eid und Steuerleistung; meist Bereitschaft zu passivem Leiden, aber gelegentlich auch Umschlag zu aktivem, gewaltsamem Kampf für die Ankunft des Gottesreiches.

 

1 Kommentar zu Was unterscheidet die Katholiken von Luther,Calvin, Zwingli und von Müntzer und den Täufern?

  1. Susanne.Schwanfelder // 7. August 2016 um 16:06 // Antworten

    Übrigens, bei seinem Besuch der lutherischen Kirchengemeinde Roms hat Papst Franziskus einen Abendmahlskelch als Geschenk mitgebracht – ein großes Zeichen, finde ich. Und hoffe, dass er bald mit dem Pfarrer dort aus einem Kelch trinken mag beim Abendmahl.
    Susanne Schwanfelder

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