Nachbetrachtung zum anderen Gottesdienst

Der Andere Gottesdienst am 25.102015 

Am vergangenen Sonntag wurde „der Andere Gottesdienst“ im Rahmen eines Lobpreis- und Gebetsgottesdienstes gefeiert. Es wurde gebetet in vielen Liedern, die unsere Band wunderbar begleitet hat. Um in Worten zu beten, gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, von denen wir einige praktiziert haben. Wir haben gemeinsam gebetet, in der Stille gebetet und auch freie Dank- und Fürbittengebete an Gott gerichtet. Man konnte spüren, dass der ganze Gottesdienst eine intensive Beziehung hin zu Gott war. Vier Gemeindeglieder haben ihre eigenen Gebetserfahrungen in sehr persönlichen Worten für die ganze Gemeinde vorgestellt. Auch hier wurde deutlich, wie unterschiedlich Beten sein kann.Wir stellen hier die verschiedenen Gebetserfahrungen vor und würden uns freuen, wenn auf dieser Plattform ein reger Austausch dazu stattfinden könnte. 

Persönliche Gebetserfahrung mit festen Gebeten (Birgit Streng) 

Es gibt verschiedenste Arten und Möglichkeiten zu beten. Ich bin der Meinung, dass es ein Prozess ist mit Beten lernen und Erfahrungen beim Beten. So zumindest ist es bei mir.

Ich hatte vorhin den Psalm 23 gebetet. Sicherlich haben viele von euch diesen Psalm in Gedanken mitgebetet, auswendig. Mir tut es gut, solche Worte in meinem Kopf zu haben, wenn ich nicht weiß, wie ich sonst ausdrücken kann, was ich gerade empfinde. Vor allem in Kummer oder Bedrängnis fehlen mir eigene Worte. Da ist mein Kopf leer bzw. mit verschiedensten Gedanken gefüllt und durcheinander. Und dann kann ich gut auf auswendig gelerntes zurückgreifen. Auf gute Sätze, die genau das treffen, was für mich passt, und wie ich es nie so gut formulieren könnte.

Ich habe beten gelernt als Kind von meiner Oma. Sie hat mit mir vorformulierte, oft in Reimform verfasste Kindergebete gebetet. Die hatten sich mir eingeprägt und wenn ich allein für mich gebetet habe, dann konnte ich diese Sätze auswendig beten, ohne mir erst noch Gedanken machen zu müssen, was ich nun wie zu Gott sagen könnte.

In den Sonntagsgottesdiensten mag ich es noch immer, in den festen Ritualen auch mit anderen zusammen immer wieder gleiche Gebete zu sprechen oder zu singen. Manches Mal geht das automatisch, ohne Nachdenken und ein anderes Mal trifft ein bestimmter Satz exakt meine Stimmung und ich spüre genau die bestehende Verbindung zu Gott.

Erst aus diesen festen Gebeten heraus konnte ich für mich lernen, dann auch diese Sätze umzuformulieren und eigene Worte zu finden, die das ausdrücken, was mich persönlich gerade bewegt. Und so bin ich von den auswendig gelernten Gebeten hingekommen zu einer sehr persönlichen Zwiesprache mit Gott und dann auch noch weiter zum Beten mit anderen zusammen. Dies war und ist immer noch ein Lernprozess, der für mich nur möglich wurde durch die gelernten Gebete und natürlich meine Erfahrungen. 

Gemeinsam beten (René Reißmann) 

Ich habe in diesem Jahr eine für mich ganz besondere Gebetserfahrung gemacht. Ich war auf einem Wochenende mit Männern aus einer anderen Gemeinde unterwegs.

In einem alten Raum mit knarrendem Holzfußboden saßen ca. 30 Männer in einer Runde zusammen. Jeder hatte eine Bibel und ein Gesangbuch vor sich auf dem Tisch liegen. Wir nahmen uns an drei Tagen sehr intensiv Bibeltexte vor. Die ganze Zeit über war zu spüren, dass Jesus mitten unter uns war. Allein der Gesang in dieser Runde war schon ein intensives Gebet.

Und dann am 2. Abend beteten wir. Wir standen in kleinen Kreisen von 5 Männern zusammen. Es waren auch Menschen dabei, die man nicht kannte. Aber das war auch nicht nötig. In unserer Mitte stand noch Einer, unser Mittelsmann – Jesus.

Noch nie habe ich so deutlich gespürt: „Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“. Mt18, 20. Man spürte die Nähe von Jesus. Jeder teilte dem anderen Gebetsanliegen mit, öffnete sein Herz und wir beteten frei und Jesus stand da. In der Mitte unter uns.

Hier war deutlich zu spüren, wie wichtig auch die Gemeinschaft mit anderen Menschen ist. Menschen die sich auf den Weg der Nachfolge gemacht haben. Mit Menschen, die sich intensiv mit Gottes Wort befassen und zusammen beten. Das ist die Nahrung für uns Christen, das ist Nahrung auf die wir nicht verzichten können. Für mich war klar; dieses Gebet hat eine besondere Kraft.  

Gedanken zum freien Gebet (Andrea Scheuerer) 

In meinem Gebet richte ich als Erstes meinen Dank an Jesus oder direkt an Gott für alle schönen Dinge, die mir im Leben widerfahren, dann folgt mein persönliches Gebetsanliegen und anschließend die Bitte für andere Menschen. 

Gott weiß zwar, was jeden Einzelnen von uns im Alltag beschäftigt und was uns zu schaffen macht, aber es ist noch mal etwas Anderes, diese Gedanken in eigene Worte zu fassen und vor Gott zu bringen. Das Herz fühlt sich danach leichter an, so wie wenn man sich etwas von der Seele redet. Somit darf man – vor allem am Ende eines Tages - Ängste, Kummer und Sorgen einfach an Gott abgeben und in dessen Hände legen.
Optional:

Manchmal ist auch jeder Atemzug ein Gebet. Ein fortlaufendes Gebet, dass sich durch den ganzen Tag zieht…

 

Das stille Gebet (Manfred Jahn) 

Beten ist für mich eine sehr intime Zwiesprache mit Gott und mit Jesus. Natürlich haben auch Gebete in der Gemeinschaft ihren Platz – das Vaterunser, das Glaubensbekenntnis oder Fürbittgebete im Gottesdienst.

Aber wenn ich mich ganz persönlich an Gott wenden will, ihm danken will oder ihn um etwas bitten will – sei es für mich, für Menschen, die mir nahe stehen oder auch für Menschen, die ich gar nicht persönlich kenne, dann wähle ich das stille Gebet, d.h. das Gebet, in dem ich ganz alleine mit Gott und mit Jesus rede. In diesem stillen Gebet, in diesem Gebet mit nur zwei Gesprächsteilnehmern, das ohne Weiteres auch einmal laut gesprochen werden kann, kann ich mich Gott mit allem, was mich bewegt, bedrückt oder auch fröhlich macht, anvertrauen.

Dieses stille Gebet ist für mich im wahrsten Sinne ein Zwiegespräch, also ein Gespräch, an dem nur Gott und ich teilnehmen. In dieser Gebetsform kann ich mich ganz für Gott öffnen und ohne vorformulierte Texte mit meinen eigenen, nicht immer gleich druckreifen Worten, an Gott wenden. Aus diesen stillen Zwiesprachen mit Gott und mit Jesus schöpfe ich Kraft in schwierigen Situationen und Vertrauen und Zuversicht, auch wenn es einmal gerade nicht so läuft, wie ich es mir wünsche.

 






2 Kommentare zu Nachbetrachtung zum anderen Gottesdienst

  1. Susanne Schwanfelder // 27. November 2015 um 18:19 // Antworten

    Danke für die Nachlese zum Anderen Gottesdienst, den wir nicht mitfeiern konnten, weil wir verreist waren. Aber ich habe in Asien die Erfahrung gemacht, dass das Gebet über Kontinente hinweg verbindet und dass ich mich im Gespräch mit Gott auch immer verbunden fühle mit allen Christen. So auch mit allen, die hier in Obermichelbach in der Gemeinde leben. Das ist richtig gut.
    Susanne Schwanfelder

  2. Madeja Stefanie // 11. Dezember 2015 um 12:47 // Antworten

    Danke für diesen schönen Gottesdienst. Gerne auch öffter im Jahr.
    Danke für die Nachlese, es ist schön die Inhalte noch einmal zu lesen.
    Mich hat der Gottesdienst viel gegeben.
    Stefanie Madeja

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