Herbstfest der Frauen in Obermichelbach am 16. Oktober 2015: Genug für alle

 

Herbstfest ( 4)klein

Mit einem Themengottesdienst beginnt das jährliche Herbstfest in der Kirche. Seit dem Frühjahr hängt im Gemeindehaus das Hungertuch 2015 von Misereor, gemalt von dem christlichen chinesischen Maler Dao Zi aus Beijing. Er überschreibt sein Werk: Gott oder Gold. Im Gottesdienst ging es um das Kennenlernen des Bildes, auf ein Sich-einlassen auf Fremdes und Fremde. Aktuell wie nie.

Mit Dialoganspiel, Bildbetrachtung und weiterführenden Gedanken, mit schönen Liedern und Texten war der Gottesdienst zum Auftanken, Nachdenken und Weitergehen gestaltet.

Das Fest nach dem Festgottesdienst: Mit Farben aus dem Bild war die Tafel festlich gestaltet und abwechlungsreiche Speisen aus „der Fremde“ und gutem Wein ließen den Abend zu einem fröhlichen Fest werden. Begegnungen, gute Gespräche, lustige Komentare…. Ein schöner Abend.

Susanne Schwanfelder

 

Weiterführung: 1. Teil (Susanne)

Wir begegnen Fremden. Das geschieht heute täglich. Fremdes und Fremde bewirken etwas in uns. Wir hörten von Bedenken, Ängsten, Sorgen und dem nachdenklichen Blick auf Alltagssituationen wie die auf dem Spielplatz. Ganz aktuell kommen Fremde zu uns, sie bringen auch Ängste, Sorgen, schwere Erfahrungen und unverarbeitete Traumen mit, Zweifel über die Zukunft nach der ersten Euphorie, entronnen zu sein.

Herbstfest ( 6)kleinWir verstehen, es gibt dies auf allen Seiten. Es berührt das Bedürfnis nach Sicherheit, nach geordneten Verhältnissen statt Chaos, nach Heilung von Krankheiten und Besserung der Lebenswelt und eine Zukunft für die Kinder. Täglich beschäftigen sich die Medien damit und berichten über Lösungsmöglichkeiten. Sie berichten über Zweifel, wie unsere Wirtschaft so viele Menschen auffangen und integrieren können wird. Zweifel, wie sinnvoll es sein kann, dass ganze Völker ihre Heimat verlassen. Es sind normale, menschliche Gedanken, sie sind sehr verständlich auf allen Seiten. Halten wir sie aus?

GOTT SAGT: es ist nicht zu schwer für uns Christen, solche Herausforderungen anzunehmen. Denn für uns Christen bildet die Einheit aus Gottes- und Nächstenliebe den Orientierungs-punkt für das Handeln und die öffentliche Debatte. Aus dieser Einheit erwachsen Verantwortung für und Solidarität mit den Mitmenschen. Papst Franziskus erklärt Solidarität als „eine spontane Reaktion dessen, der die Soziale Funktion des Eigentums und die universelle Bestimmung der Güter als Wirklichkeiten erkennt, die älter sind als der Privatbesitz“ das heißt, bevor etwas mir gehörte, waren die Güter in irgendeiner Form auch schon da und sind dazu bestimmt, geteilt zu werden.

Nächstenliebe kann man lernen, sie wächst aus der Erfahrung, dass ich ein geliebter Mensch bin, dass ich mich gründen darf in Gott, meinem Fels. Ich kann Vertrauen fassen, dass ich angenommen, geschützt, gesehen und wertgeschätzt bin von Gott, der genug hat für alle Menschen. Er lädt ein, aus seiner Fülle zu nehmen. Ja, wir sind eingeladen, Jesus ganz zu vertrauen und daraus unsere Kraft zu schöpfen. Es ist unglaublich entspannend, dass ich nicht für alles verantwortlich bin, was ich gar nicht kann – und wenn ich weiß: ich muss nicht alles aus mir selber schöpfen. Mein Vater im Himmel versorgt mich.In seiner Nähe finde ich innere Ruhe und innere Klarheit. Gott, unser Fels, er hat genug für mich und alle Menschen.

Herbstfest (18)kleinWeiterführung 2. Teil (Birgit)

Wie viel ist genug? Das ist eine gute Frage. Und wirkt auch verschieden, je nachdem, von wem sie gestellt wird. Von Menschen, die sehr viel, vielleicht zu viel haben, oder ob ein Hartz IV Empfänger, eine alleinerziehende Mutter oder ein Flüchtling sie stellt. Da könnte die Frage dann eher lauten „Wie viel wäre genug, um über die Runden zu kommen?“ Aus dieser Perspektive ist „genug“ nicht die Frage nach dem Verzicht, sondern nach der Verteilungsgerechtigkeit und nach der Teilhabe am Leben in unserer Gesellschaft. Denn es ist genug da, aber eben nicht genug für jeden einzelnen.

Die sieben Goldstücke auf dem Hungertuch, sie sind die Gabe Gottes an die Menschen. Hier wird die alte biblische Überzeugung aufgegriffen: Es ist genug da, für alle.  Diese kleinen Goldstücke sind unsere Begabungen. Es sind die sieben Tugenden, die wir in unserem Herzen tragen und die uns das Leben kostbar machen. Da ist einmal die …

Geduld: geduldig sein mit unseren Mitmenschen, mal auf den richtigen Zeitpunkt warten können, Gelassenheit üben.

Ehrlichkeit: Ehrlich währt am längsten, heißt es. Und da ist was dran, ohne Lügen oder kleine Schummeleien durchs Leben zu gehen.

Besonnenheit: nicht hitzig, vorschnell und unüberlegt Entscheidungen treffen oder andere Menschen verurteilen, bevor wir die Situation richtig kennen.

Maßhalten: brauch ich wirklich immer noch mehr oder hab ich genug, um mich wohlzufühlen? Kann ich vielleicht anderen etwas abgeben?

Lebensfreude: wenn wir uns auch an kleinen Dingen erfreuen, manches teilen, Kontakte mit anderen Menschen pflegen, dann kommt Farbe in unser Leben und erfüllt es mit Freude und wir bringen so auch anderen Lebensfreude.

Verlässlichkeit: es ist wichtig, dass wir Zusagen einhalten, damit sich andere auf uns verlassen können. Andere bauen auf uns.

Herzensgüte: das ist die Liebe, mit der wir auf andere zugehen. Es gibt immer wieder Menschen, die brauchen unsere Hilfe besonders. Ein liebes Wort, ein Gebet, eine Gabe kann jemandem anderen grad gut tun. Und, Herzensgüte ist spürbar und kommt auch immer zu uns zurück.

Diese sieben Tugenden, die hier als Goldstücke auftauchen, kommen aus Gott, er schenkt sie uns. Wir lernen unsere Tugenden immer besser kennen durch unsere Gottesbeziehung, die im Laufe unseres Lebens heranwächst, größer und vielfältiger wird. Wir reifen in unserer Beziehung zu Gott, unser ganzes Leben lang. Wenn wir unser Leben auf Gott ausrichten, wenn wir in der Bibel lesen, Gottesdienste besuchen, uns mit anderen Christen austauschen, dann erfahren wir, wie Jesus ist und können in seine Nachfolge treten.

Wenn ich den großen Goldklumpen ansehe und darin Gott sehe, dann kann ich ganz klar für mich sagen: „Ja, Gott ist mein Fels, und Gott hat genug für uns alle.“ Diese kleinen Goldstücke, die ich sehe, nehmen die Form des großen Steines auf. Es geht nicht um die Größe der Steine, denn als Teil der guten Schöpfung haben wir alle Anteil an Christus und dem dreieinigen Gott. Es könnten unendlich viele Stücke sein, die aus dem großen herausbrechen, und es würde doch nie aufhören und nie zu Ende gehen und der große Fels wäre immer noch da.

Fragen wir uns doch mal: „wie viel ist genug für Gott?“, oder „hat Gott irgendwann genug?“

Diese Frage hat Jesus beantwortet und wir können es im Lukas-Evangelium im 6. Kapitel nachlesen. Da sagt Jesus, „Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch wieder messen.“

Gottes Liebe, Gottes Gaben, Gottes Kraft werden nie aufhören. Es liegt an uns, von Gott zu nehmen, die Gaben zu nutzen, die er uns schenkt, sie gewinnbringend einzusetzen und vielfältig weiterzugeben. Gott sagt: „Es ist genug für alle da.“

Gott wird nie müde, sich zu geben, sein Selbst zu verlieren, zu teilen, zu erschöpfen; Gott gibt nie genug von seinem Atem und seinem Licht; Er gibt sich ganz seinem Sohn und, indem er seinen Sohn uns übergibt, gibt er alles hin und teilt alles mit, was er ist. Was also das Geben angeht, gibt es für Gott niemals ein „Genug“.

Amen.

Herbstfest (16)kleinSegen zum Herbstfest 2015

Segne uns, Herr,

mit deiner Liebe, deiner Kraft, deinem Heiligen Geist:

damit wir unser Haus öffnen,

unseren Tisch teilen,

unsere Ängste bei dir lassen.

Segne uns, Herr,

damit wir nachhaltig denken,

verträglich handeln und einfach leben.

Segne uns mit Freude und Zuversicht,

mit der goldenen Fülle deiner großen Liebe,

Segne uns alle, dass Hoffnung und Freude uns erfüllen.

Amen.






1 Kommentar zu Herbstfest der Frauen in Obermichelbach am 16. Oktober 2015: Genug für alle

  1. Susanne Schwanfelder // 17. Oktober 2015 um 13:53 // Antworten

    Eine ganz junge Gottesdienstbesucherin hat mir heute morgen geschrieben: Ich war gestern beim Herbstfest und es hat mir wirklich sehr gefallen,…

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