Der Tod ist stärker als die Liebe? Die Geschichte von David, Batseba und Uria.

 Materialien zur Osternacht

Autor: Manfred Jahn

Der Tod ist stärker als die Liebe?

Der Prophet Samuel erzählt uns eine Geschichte, die diesen Schluss nahe legt.

Er berichtet uns von König David. Man schreibt David viele der uns bekannten Psalmen zu. Er war ein Selfmademan. Er hatte sich vom Hirtenjungen zum König hochgearbeitet. Wir kennen David gemeinhin als einen sehr gottesfürchtigen Mann. Aber er hatte auch seine dunklen, ja abgründigen Seiten – vor allem wenn es um Frauen ging.

Die Geschichte, die uns Samuel erzählt, ereignete sich zur Zeit als David wieder einmal Krieg gegen die Ammoniter führte. David selbst blieb in Jerusalem.

Eines Nachmittags, als David seine Mittagsruhe beendet hatte, ging er auf dem flachen Dach seines Palasts spazieren. Da fiel sein Blick auf eine Frau, die im Hof eines Nachbarhauses ein Bad nahm. Sie war sehr schön.

Ein Diener berichtete David, der unbedingt wissen wollte, wer die Frau war: “Die Frau heißt Batseba. Sie ist verheiratet mit Uria, einem Hetiter, einem deiner Offiziere an der Front”.

David sandte Boten zu ihr und ließ sie holen. Batseba kam, David gestaltete ein intimes Abendessen zu zweit, verführte Batseba und schlief mir ihr.

Nach einiger Zeit merkte Batseba, dass sie schwanger war. Sie schickte einen Boten zu David, der es ihm sagen sollte.

Kaum hatte der König das gehört, ersann er eine List, dies zu vertuschen und ließ seinem Generalfeldmarschall Joab melden: “Schickt sofort den Hetiter Uria zu mir!”

Als Uria ankam, berichtete er David zunächst von der Lage an der Front.

Schließlich forderte David Uria auf: “Geh nun nach Hause zu deiner Frau, bade dich und ruh dich aus!”

Doch Uria ging nicht nach Hause, sondern zur königlichen Leibwache am Tor des Palasts. Dort übernachtete er.

David hörte davon und ließ Uria gleich am nächsten Morgen zu sich rufen. “Warum hast du nicht zu Hause bei deiner Frau übernachtet?”, fragte er ihn. “Du warst doch jetzt so lange von ihr getrennt!”

Uria antwortete: “Selbst der Heerführer Joab und seine Offiziere übernachten auf offenem Feld am Boden. Und da sollte ich nach Hause gehen, essen, trinken und mit meiner Frau schlafen? Niemals könnte ich so etwas tun!”

David bat ihn: “Bleib heute noch hier, Uria. Morgen lasse ich dich dann wieder ziehen.” An diesem Abend machte David Uria betrunken. Doch auch diesmal ging Uria nicht nach Hause, sondern schlief wieder bei der Leibwache am Palast. Davids Plan, Uria glauben zu machen, dass Batesabs Kind von ihm selbst sei, war fehlgeschlagen. Deshalb ersann David einen abscheulichen Plan:

Am nächsten Morgen schrieb er einen Brief an Joab und gab ihn Uria mit.

Darin befahl er seinem Heerführer: “Stell Uria an die vorderste Front, wo der Kampf am härtesten tobt! Keiner von euch soll ihm Deckung geben. Zieht euch mitten in der Schlacht von ihm zurück, damit er getroffen wird und stirbt.”

Beim nächsten Angriff auf die Stadt wurden viele Israeliten getötet; auch der Hetiter Uria war unter den Gefallenen.

Joab schickte David einen Boten mit dem Auftrag: “Wenn du dem König über das Geschehene berichtest und er dir Vorwürfe wegen der verlorenen Schlacht macht, dann erwidere ihm, dass auch der Hetiter Uria gefallen ist.”

Der Bote richtete David alles aus, was Joab ihm aufgetragen hatte.

Da antwortete David: “Geh zurück und melde Joab: Lass dich durch diese Niederlage nicht entmutigen, Joab!“ Und endete mit der menschenverachtenden Bemerkung: „Der Krieg ist eben so grausam: Mal trifft es diesen, mal trifft es jenen.“

So wurden aus Eitelkeit, aus Menschenverachtung und aus Feigheit eine intakte Ehe und eine Liebe zerstört.

Der Tod ist stärker als die Liebe?

 

 

 

 

 

Tausend Jahre später ereignet sich an gleicher Stelle ganz Ähnliches. Die führenden Männer Israels überantworten einen gewissen Jesus aus Nazareth aus Überheblichkeit, aus Selbstüberschätzung und aus Neid der römischen Gerichtsbarkeit, um ihn zum Tode verurteilen zu lassen. Sie machen ihm nicht selbst den Prozess und verschanzen sich dazu hinter ihren religiösen Geboten, weil sie feige sind und sich vor dem Zorn der Anhänger von Jesus fürchten. Jesus muss einen qualvollen Tod am Kreuz sterben und dabei auch noch den Spott seiner Feinde ertragen.

Der Tod ist stärker als die Liebe?

 

 

Der Pfarrer und Kirchenliederdichter Jürgen Henkys findet dazu folgende Worte:

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,

Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,

Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,

Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.

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