Materialien zur Psalmen-Ausstellung

 

Wir treffen uns im Landkreis unter Künstlern. So ab und zu. Man lernt dabei neue Leute kennen. Projekte. Ideen.

So fand ich auch Kontakt zu der Künstlergruppe choch3.

Die geben sich ein Thema und arbeiten darüber. Dieses Thema waren die Psalmen.

Und dann bieten sie die Ausstellung an. Ich fand das interessant, habe mich dafür begeistert und dachte mir, das sei in unserer wunderbaren Kirche doch bestens aufgehoben.

Kunst zu Kunst.

Wir hatten nun die Vernissage. Dann war die Kirche offen. Jeder konnte die Ausstellung in Ruhe ansehen.

Nun wollen wir heute dies noch etwas reflektieren.

Ich will einführend einige Aussagen zu den Psalmen machen. Im Verlaufe des Abends werden wir einige Interpretationen zu den Psalmen hören…

Das sind Gedankenketten.

Die Künstler haben die Psalmen gelesen und in Bild für sich umgesetzt.

Wir haben nun die Texte und die Bilder genommen und sie erneut umgesetzt.

Daraus entstehen Gedankenketten. Jeder kann sich sozusagen einhängen, anhängen, mitdenken, nachdenken.

Das ist ein guter Prozess.

Psalmen führen uns weit in die Vergangenheit. Man weiß nicht, wann die einzelnen Psalmen entstanden sind. Die ältesten könnten so ab 1000 v. Chr. entstanden sein.

Man geht davon aus, dass eine letztendliche Bearbeitung und Zusammenstellung der Psalmen um 200 bis 150 v. Chr. erfolgte. Damit sind die Psalmen relativ jung.

Sie stellen den Übergang zwischen dem alten und dem neuen Testament dar. Damit haben sie eine ganz besondere Stellung.

In der Bibel finden wir 150 Psalmen. Aber es gibt viel mehr. Allein in den Höhlen von Qumran hat man tausende von Psalmen gefunden.

Irgendjemand muss die Psalmen ausgewählt haben und auch bearbeitet haben, ein historisches Lektorat.

Was fällt an den Psalmen noch auf? Zunächst Äußerlichkeiten:

Die Psalmen haben eine schöne Sprache, schließlich sind es Lieder oder Gedichte oder Gebete, oder alles gleichzeitig. Manchmal ist die Schönheit der Sprache in der deutschen Übersetzung etwas verloren gegangen, sagen jedenfalls die Fachleute.

Ich bin ein kritischer Bibelleser. Ich stelle mir immer die Frage, was ist original, was ist hinzugefügt, was ist die Aussage, was wollte der Autor sagen und was heißt dies in unserer heutigen Zeit?

Das ist manchmal mühsam.

Das ist bei den Psalmen kein Problem. Denn sie sind individuelle Aussagen.

Hinter jedem Psalm steht eine Person, die schreibt. Sie äußert ihre Gedanken, ihren Schmerz, ihre Hoffnungen. Damit werden die Psalmen zu ganz persönlichen Aussagen. Sie werden sozusagen zu Briefen, auf der Vergangenheit. Adressat ist Gott. Die Psalmen sind eine Zwiesprache mit Gott.

Wir müssen uns aber keine Gedanken über die Allgemeinverbindlichkeit machen. Wir müssen auch nicht zustimmen, wenn wir in einer anderen Situation leben.

Inhaltlich sind sie eingeteilt in Klagelieder, Lobpsalmen, Danksagungen. Ich muss gestehen, dass mich die Klagelieder über viele Jahre reichlich genervt haben. Ich dachte mir: Kann der Schreiber nicht endlich aufhören zu klagen, sondern einfach etwas tun. Aber dann im Laufe der Zeit habe ich selbst die Klagelieder akzeptiert, weil man zur Zwiesprache mit Gotte keine Vorgaben, keine Vorschriften braucht. Man kann also auch, wenn es einem danach ist klagen, klagen und immer wieder klagen. Gott ist ein geduldiger Zuhörer.

Aber die Lob- und Dankpsalmen gefallen mir dennoch besser. Sie sind mir Vorbild für meine Kommunikation mit Gott.

Und ich wiederhole noch einmal. Psalmen sind schon allein deswegen faszinierend, weil sie ganz persönliche Aussagen von Menschen aus einer weiten Vergangenheit sind. Und dennoch manchmal wahnsinnig modern und aktuell klingen.

Es ist so als wenn man eine Flaschenpost findet, sie entkorkt und dann den Brief darinnen liest. Und dann vielleicht denkt: Mensch, so geht es mir auch.

Damit werden die Psalmen natürlich nicht nur für den einfachen Leser, für uns bedeutend. Sondern sie fordern immer wieder Menschen heraus, weiter zu denken, sich kreativ mit ihnen auseinanderzusetzen. Sie künstlerisch umzusetzen. Weiterzudenken.

An dieser Stelle befinden wir uns gerade jetzt.

Die Psalmen und die Inspiration der Künstler, die Sie hier in Gestalt von Kunstwerken sehen, wollen wiederum Sie inspirieren.

Und sie haben uns inspiriert, wie Sie in den unterschiedlichsten Beiträgen zu einzelnen Texten und Bildern sehen werden.

Lassen Sie sich auch inspirieren.

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Psalm 103

 Psalmen (70)klein

Der Psalm 103 ist einer der bekanntesten Psalmen, man nennt ihn auch das “Hohelied der Barmherzigkeit Gottes“. In diesem Psalm wird das Lob des barmherzigen Handelns Gottes seinen Menschen gegenüber beschrieben. Dieser Psalm wird oft als allumfassendes Dankgebet gebetet. Wir kennen alle diese Verse:

Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat

Barmherzig und gnädig ist der Herr, geduldig und von großer Güte

Lobet den Herrn, alle seine Werke, an allen Orten seiner Herrschaft

Für so vieles können wir Gott loben und danken. Bewusst erinnern, was Gott in unserem Leben Gutes und Großes getan hat. Bewusst zurückzublicken auf die Erlebnisse mit Gott. Der Psalmschreiber macht deutlich, dass Gott dir Gutes tut. Gott vergibt und heilt, Er erlöst und weckt Freude, Er führt zu einem neuen Anfang. Es tut gut, diese lobenden Psalmworte einmal ganz bewusst zu sehen und zu erkennen, wie wir in Gottes Liebe und Barmherzigkeit ganz und gar geborgen sind.

Und dann gibt es die Verse im Psalm, zu denen die Künstlerin Barbara Lidfors die Stele hier gemacht hat:

„Der Mensch – wie Gras sind seine Tage, wie die Blume des Feldes, so blüht er.

Denn fährt ein Wind darüber, so ist sie nicht mehr, und ihr Ort kennt sie nicht mehr.

Die Gnade des HERRN aber währt ewig über denen, die ihn fürchten.“

Wir blühen während unserer Lebenszeit auf der Erde so herrlich wie die Grasblüten, die von Gott so prächtig gekleidet sind und kehren am Ende unseres Lebens zu Gott zurück, so wie das Gras zur Erde zurückkehrt.

Auf dem Bild der Künstlerin wird durch die zarten, aufwändig gestalteten Gräser und Grasblüten die Schönheit des Lebens sowie die Pracht der Natur deutlich, die aus Gottes Gnade heraus wächst. Und wenn schon diese Grasblüten so wunderbar, so besonders sind, wie wunderbar und besonders sind dann wir Menschen, die Gott aus Seiner Liebe heraus erschaffen hat. Die hellen, leuchtenden Farben auf dem Bild mit grün und orange lassen nur Freude zu, sie verströmen Energie und Leben, trotz des Wissens um die Vergänglichkeit.

Es ist Gott, der Seiner Schöpfung Wert und Schönheit verleiht, und es ist Seine Gnade, die uns am Ende unseres Lebens zu Ihm zurückholt. Seine Gnade währt in Ewigkeit. Die Verse wollen uns sagen: Wir leben unter dem Lob Gottes und in seiner Gnade. Mit dem Beten dieses Psalms können wir Gott für seine Barmherzigkeit immer wieder loben und danken.

Und das machen wir jetzt auch. Denn wir singen nun unser erstes Lied: „Lobe den Herrn, meine Seele“. Darin sind einige Verse aus dem Psalm 103 wunderbar musikalisch umgesetzt.

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Psalm 127

 Psalmen (49)klein

Gut, dass der HERR bei uns ist.

Sonst wir würden im Tsunami ertrinken, die Wasserströme unsere Seele verschütten. Sie wären zu groß für unsere Seele.

Gelobet sei der HERR, dass er uns nicht verkommen lässt.

Unsre Seele ist entronnen wie ein Vogel dem Stricke des Vogelfängers. Der Strick ist zerrissen, wir sind frei.
Unsre Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erden gemacht hat.

 

 

Ich finde, das ist ein schöner Psalm.

Die Aussage: Der Herr ist bei uns. Der Herr errettet uns. Der Herr hilft uns.

Der Künstler hat die Begriffe Vogel und Freiheit ausgewählt. Und wunderbar dargestellt. Der Vogel drückt so richtig den Drang nach Freiheit aus. Er fliegt sich frei und tobt hinein in den Himmel.

Nun soll ich allerdings viele Grüße von Fritz und Max bestellen. Das sind zwei Kanarienvögel, die bei uns zuhause in einem relativ großen Käfig leben. Sie lassen mitteilen, dass sie genügend Freiheit haben. Sie bekommen Wasser, Körner, ab und zu besondere Hirsedelikatessen, werden medizinisch behandelt und manchmal redet irgendein Mensch mit ihnen. Sie wollen nicht die Freiheit, in den Himmel hinein zu toben, denn das wäre ihr Todesurteil.

Freiheit. Ich liebe Freiheit, ich genieße Freiheit. Aber ich genieße auch den Rahmen: das Gesetz, die Achtung vor dem anderen, die Verpflichtung der Liebe, ja sogar gewisse monetäre Grenzen, die Regeln unserer Gesellschaft.

Ein aktuelles Thema: Pressefreiheit gegen Achtung, Meinungsfreiheit gegen Todesschüsse.

Ich wünsche mir eine achtsame Freiheit, eine tolerante Freiheit, eine heilsame Freiheit. Ich würde einen Käfig durchaus akzeptieren, weil ich ihn nicht als Zwang und als Eingrenzung empfinde, sondern sogar als Schutz. Und da geht es mir irgendwie wie Fritz und Max. Sie vertrauen auch darauf: Der Herr ist bei uns. Der Herr errettet uns. Der Herr hilft uns.

Ich denke darüber nach, den Psalm in meinem Sinne umzuschreiben. Nein, aber das muss ich ja nicht. Ein Mensch hat diesen Psalm geschrieben. Es ist seine Meinung, sein Gebet an Gott. Und ich kann meine Meinung sagen und schreiben. Das ist aber keine neue Form dieses Psalms, sondern es ist ein neuer Psalm, der 151. Psalm.

Der Herr ist bei uns

Wenn wir uns in schwierigen Situationen befinden – aber nicht nur.

Er hilft bei Turbulenzen – verursacht von Menschen, von der Natur, vom Universum

Gelobt sei der Herr,

Dass er uns Kraft und Geist und Ausdauer und Mut gibt – und Zuversicht,

Denn er schützt und bewahrt uns.

Unsere Seele ist frei,

Weil sie der Gnade des Herrn vertraut

Wir sind frei wie die Vögel unter dem Firmament des Herrn.

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Psalm 139

 Psalmen (69)klein

Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten

 

Der Psalm 139 gehört zu den Psalmliedern, die eine Messias-Bedeutung für das jüdische Volk haben. Der Psalm beschreibt, wie nahe Gott den Menschen von Anfang an war. Nicht nur die Schöpfung als solche, nein, jede Person ist von ihm geschaffen. Schon im Mutterleib ist er gebildet worden. Gott erscheint als der Allwissende, und Allgegenwärtige, der aber jeden einzelnen kennt und als wunderbar bejaht.

 

 

Der ganze Psalm erzählt von Gott, von seiner Größe, Gegenwärtigkeit und Schöpferkraft. Er endet mit dem Entschluss, sich ganz von Gottlosem abzuwenden und dafür das uneingeschränkte Vertrauen in Gott zu setzen. Über alle Zeiten hinweg bis ins Unendliche. Vertrauen in Gott, der seine Geschöpfe liebt. Über das Gottesbild ließe sich viel sagen. Ich lese aus dem Psalm zwei Verse, die zum Bild gehören:

Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten

Diese beiden Verse aus Psalm 139 sind ein sehr beliebter Taufspruch, weil dem Täufling Schutz und Halt zugesprochen ist (auch unser Enkelkind Joscha hat ihn zu unserer Freude mitbekommen.)

Mir sind die Flügel der Morgenröte nicht mehr aus dem Sinn gegangen. Ich hätte auch gerne solche Flügel. Sie tragen aus der Nacht in einen neuen Tag, fliegen durch Zeit und Raum bis ans andere Ende, entfalten Kräfte, Innovation, Überblick, Kreativität und Weite. Sie werden benutzt, um in ein Neues zu fliegen.

 Ein Sprichwort sagt: „der Glaube verleiht Flügel“. Ich frage mich, bin ich bereit, vom Morgenrot in den Tag zu fliegen, mich Gottes Kraft anzuvertrauen, wenn ich meine Fähigkeiten lebe und zu wissen, selbst wenn ich dort lande, wo andere das „Ende der Welt“ vermuten, selbst da bin ich geführt durch die Hand Gottes und die  tatkräftige Rechte, die mich hält? Habe ich dieses unerschütterte Vertrauen in Gott?

Im Bild spüre ich die Eleganz, die Kraft und die Biegsamkeit, die die Gestalt ausstrahlt. Sie ist aber auch eine, die gut hören kann. Weiß sie sich gehalten, wenn sie alleine bleibt, wenn sie am Äußersten ihrer Möglichkeiten angekommen ist? Ja, sie hört und sie fliegt…. Sie wirkt in der Farbe Rot  selbstbewusst, voller Kraft und Energie,  in den Blautönen eher ruhig und zurückgezogen, sozusagen, am anderen Ende der Welt. Im Rot und Blau kommen beide Bereiche in die Balance.

Einmal habe ich nachts allein unter dem weiten Sternenhimmel am Meer in Südaustralien gesessen und mich ganz gehalten gefühlt von Gott unter diesen Sternen, und sehr verbunden mit ihm und seiner Gemeinde. Das waren Flügel der Morgenröte….

Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten

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Psalm 104

 Psalmen (47)klein

Ach. Ist es nicht herrlich hier draußen in der Natur?

Ja. Passt scho.

Klingt jetzt nicht so begeistert.

Warum?

Ja siehst du denn nicht das satte Grün der Wiesen, die Vögel und den herrlichen Himmel …

Ja. Seh ich.

Ich weiß nicht. Irgendwie weißt du das gar nicht zu schätzen oder? Würdest lieber shoppen gehen?

Shoppen?  Also nicht weit von hier ist…

Ach hör auf.

Eben nicht.

Du weißt doch, dass ich einfach mal hier raus fahren wollte. Ich wollte mich entspannen, runterfahren vom Alltag und Gottes Schöpfung genießen.

Aha. Gottes Schöpfung. Jetzt hat´s ihn erwischt.

Ja. Gottes Schöpfung.

Du meinst das ernst was du da redest oder?

Ja.

Mmh. Alles ok. Alles gut.

Ja. Das ist einfach herrlich hier. Es gab Zeiten da hast du auf der ganzen Welt keinen Berg mehr gesehen. Da hat Gott den Menschen eine Sintflut geschickt. Aber keine Angst das wird nicht mehr passieren

Also ich .. fahr eh lieber ans Meer.

Mann mit Dir. Genau wegen solchen Leuten hat er das damals gemacht.

Meinst du mich. Gemein von Dir.

Ja. Ja. Schon gut. Ich meine nur. Die waren damals auch alle so gleichgültig und haben sich nur um ihre eigenen Sachen gekümmert. Sie hatten sich von Gott getrennt.

Ich  glaub  doch  auch  an  Gott.

Ja? Der Gott des Shoppens und der großen Weihnachtsgeschenke is fei a Anderer!

Aaha? Und wer ist jetzt das wieder?

Du weißt doch als Jesus damals in der Wüste versucht worden ist…

..Also in die Wüste will ich jetzt nun wirklich nicht noch. Jetzt komm mal wieder runter.

Ach. Schau doch einfach mal genauer hin.

Guckt. Erkennt aber nichts.

Die verschiedenen Farben, das satte Grün der Wiesen, die frische Luft.

Voll der Öko.

Das hat nichts mit Öko zu tun.

Nicht.

Ne nicht… Ja doch… Ach!… Erkenn Doch. Das ist Gottes Geschenk für uns. Und wir sind so sehr getrennt von Ihm, dass wir es nicht mehr wahrnehmen können.

Ja. sieht schon alles toll aus. Der wird schon wieder normal. Spätestens wenn wir daheim sind. Ich warte schon mal im Auto

Danke Herr für das alles hier. Ach ja.. wenn wir es doch verstehen würden. Die Nähe zu Dir nimmt uns unsere Sorgen im Alltag, unseren Stress unsere Ängste.

Herr: Ich will Dir nah sein, Ich will dich ich sehen. Herr du bist so mächtig, so herrlich und wunderschön. Jede Begegnung mit dir, oh Herr, trägt dazu bei, dass meine Angst immer mehr vergeht. Hier kann immer mehr begreifen wie du bist. Hier bin ich Dir nah. Herr wir danken Dir für deine Schöpfung. Amen.

1 Kommentar zu Materialien zur Psalmen-Ausstellung

  1. Tolles Projekt, sehr bereichernd zu lesen! Bleibt weiterhin so kreativ!
    VlG nach Obermichelbach

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