Deutsches Vaterunser – Aus dem Ersten Weltkrieg (1914-1915)

Im Weimarer Schloss habe ich dieses Vaterunser aus dem Ersten Weltkrieg gefunden. Er wandelt das Gebet in ein Kriegs-Gebet um. Nicht überraschend sind die Durchhalteparolen, aber auch die Bitten um Frieden und Vergebung - auch dem Feind gegenüber. Ich finde es ist ein gutes Beispiel für das Schicksal der Kriegsteilnehmer mit ihren Fragen und auch ihrer Verzweiflung. Vater unser, der Du bist im Himmel, Mächt`ger Lenker über´m Sternenzelt


Gott! Wir bitten Dich als Deine Kinder:
Sieh erbarmend, ach, auf uns´re Welt!

Hochgeheiligt werde, Herr, Dein Name
Doppelt in des Krieges Zeit;
Lass in Demut uns erkennen, was wir
Schulden Deines Namens Heiligkeit.

Zu uns komme, Herr, Dein Reich des Friedens,
Wenn uns auch der Feinde Macht bedroht
Unser Herz lass stark und ruhig bleiben,
Denn Dein Frieden überdauert Tod.

Herr, Dein Wille nur gescheh´ auf Erden,
Nur allein Dein ew´ger Geist ermisst,
Was uns dient, – nicht wir erkennen,
Was zu unsérm Heil und Segen ist.

Unser täglich Brot gib, Gott, uns heute,
Reichen Segen gib der Heimat Feld,
Lass die tapfern Krieger, Herr, nicht darben;
Uns gib, was von Deinem Tische fällt.

Und vergib uns unsre Schuld in Gnaden,
Wie auch wir vergeben uns´rem Feind.
Ach! Auf blutgetränktem Acker
Hat der Tod längst Freund und Feind vereint.

Vater, führe uns nicht in Versuchung!
Unser Tun bleib´ treu, deutsch, wahr und rein,
Dann wird auch trotz aller List und Lüge
Unser Recht klar und erwiesen sein.

Und erlöse uns von allem Übel,
Uns und unser teures Vaterland;
Du allein kannst Krieg und Frieden geben,
Herr! Beschütze uns mit starker Hand.

Dein ist dies Reich, die Kraft, die Herrlichkeit,
Erlös uns in Jesu Namen, -
Herr Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit,
Du unser Vater – Amen, Amen!

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