Was ist das Dreifachgebot der Liebe? Einladung zur Diskussion

Nicht nur die NSA liest mit, auch ich. Zum Dreifachgebot der Liebe habe ich im Internet die folgende Frage gefunden:
Was ist das Dreifachgebot der Liebe beziehungsweise wie ist es zu verstehen? ‘n Freund schreibt Morgen ne Reli arbeit drüber und weiß überhaupt nicht um was es sich handelt, da der Lehrer ne Null ist.. Ausführliche erklärungen wären hammer lieb! Danke schonmal
Dem Lehrer so in der Öffentlichkeit Versagen vorzuwerfen, ist wohl schon der Beweis, dass da kaum viel wahre Liebe zu spüren ist. Ob die Jugendlichen das überhaupt erfassen können?
Aber auf die Frage hat dann auch jemand geantwortet, sehr sachlich. Die Fakten sind also:Die (Gute Nachricht”-) Bibel, Evangelium nach Markus, Kapitel 12: 29 Jesus sagte: »Das wichtigste Gebot ist dieses: Höre, Israel! Der Herr ist unser Gott, der Herr und sonst keiner. 30 Darum liebt ihn von ganzem Herzen und mit ganzem Willen, mit ganzem Verstand und mit aller Kraft. 31 Das zweite ist: Liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!…

Das wird es wohl sein, was mit dem “Dreifachgebot” gemeint ist. Im Gegensatz zur Antike muss dem modernen Menschen der vergleichende Hinweis “wie dich selbst” als eigenes Gebot vorgehalten werden. So wird aus dem ursprünglichen “Doppelgebot” (liebe Gott und liebe deinen Nächsten) ein dreifaches.

Jesus verbindet mit dieser Zusammenfassung zwei alttestamentliche Stellen, nämlich das Gebot der Gottes- (5. Mose 6,5) und der Menschen- bzw. Nächstenliebe (3. Mose 19,18). Der Mann aus Nazaret sagt, dass in dieser Kurzfassung das ganze biblische Gesetz und die gesamte Verkündigung der Propheten enthalten ist. Mit anderen Worten, hiermit ist umfassend beschrieben, was Gott eigentlich will.

Mein Dreibein wackelt bedenklich

Ich gestehe, dass ich großen Respekt vor diesem Gebot habe, weil ich weiß, dass ich es nicht erfülle, nicht erfüllen kann.

1. Liebt Gott

Gott ist für mich so groß, dass ich ihn eigentlich nicht lieben kann. Ich habe Respekt vor ihm. Ich achte ihn, ich hoch-achte ihn. Wie kann ich ihn da lieben? Ich kann auch (man möge den Vergleich entschuldigen) den Bundespräsidenten nicht lieben, auch wenn ich ihn verehre.

Jesus ist mir näher, aber auch ihn kann ich eigentlich nicht lieben. Er ist mein Gebetsgegenüber, dem ich dankbar bin, der mich froh macht. Aber kann ich ihn lieben? Wenn ich in mich hineinhöre, dann sage ich mir, dass dieses Wort einfach nicht passt. Ich bitte den Heiligen Geist, dass er die Lösung dieses Problems übernimmt. Wie ich von Respekt und Achtung und Dankbarkeit zur Liebe komme.

2. Liebt den Nächsten

Klar, es gibt eine ganze Reihe Nächste, die ich Freunde bezeichne und die ich liebe. Stimmt das? Ich lausche dem Klang meiner Worte nach und stelle fest, dass ich den Begriff Liebe sehr eng fasse. Darunter fallen die Menschen, die mir am nächsten sind. Je intimer, desto mehr Liebe ist möglich. Selbst meinen besten Freund kann ich in diesem Sinne eigentlich nicht lieben. Mein Verhältnis zu meinen besten Freunden würde ich so beschreiben: Ich „freunde“ sie. Ich bin überzeugt, dass ich ein neues Wort einführen muss. Freunden ist nahe an Lieben aber nicht identisch.

Und dann gibt es natürlich eine Menge Menschen, die ich nicht liebe und nicht einmal freunde, weil sie keine Freunde sind, weil sie mir unbekannt sind, weil sie mich nicht interessieren. Und es gibt Menschen, die ich verabscheue, die ich ignoriere, die mir massiv auf den Senkel gehen.

3. Ich liebe mich selbst (wie meinen Nächsten)

Das passt vielleicht am besten. Denn ich liebe mich eigentlich auch nicht. Selbstliebe ist für mich eng verbunden mit Narzissmus. Es gibt Menschen, die meinen, dass sich der Narzisst egozentrisch und wichtigtuerisch benimmt, weil er sich nicht liebt und für minderwertig hält. Ich halte mich durchaus für „wert“, habe ein gesundes Selbstwertgefühl, achte auf mich, bei dem was ich tue. Aber liebe ich mich? Ich kenne schließlich meine Fehler am besten. Und auch, was ich anderen, selbst Menschen, die ich liebe nicht erzählen würde, weiß ich von mir. Wie kann ich mich da eigentlich noch lieben?

Mein dreibeiniger Hocker, meine dreifache Liebe wackelt und bröckelt. Denke ich darüber nach, muss ich sagen, dass ich vor diesem Gebot gar nicht bestehe. Vielleicht passt aber auch nur mein Verständnis von Liebe nicht. So suche ich nach einem anderen Wort.

Ich habe jedenfalls gelernt, dass ich noch mehr darüber nachdenken muss. Ich lese ein Zitat nach Erich Fromm: „Es stimmt, dass selbstsüchtige Menschen unfähig sind, andere zu lieben; sie sind jedoch genauso unfähig, sich selbst zu lieben.“ Und denke dann: Sind wir nicht alle ein bisschen selbstsüchtig? Und ist es nicht sogar gut, ein bisschen selbstsüchtig zu sein…

Was ist Ihre Meinung? Wer hat Lust darüber zu diskutieren?

1 Kommentar zu Was ist das Dreifachgebot der Liebe? Einladung zur Diskussion

  1. Ich denke dass du mit diesem Gebot vor allem ein Problem hast weil du den Begriff von Liebe zu eng fasst. Was du für richtig gute Freunde empfindest kommt doch mit Sicherheit nah an die Liebe für deine Familie heran, oder? Ich perönlich habe Freunde, die ich schon fast zur Familie zähle. Natürlich gibt es da Abstufungen aber ich denke auch das das ‘Freunden’ eine Art von Lieben ist. Ich muss am Donnerstag mein mündliches Abi über die Bergpredigt halten und habe mir deshalb auch Gedanken über die ‘Feindes-Liebe’ gemacht. Ich denke es ist nachvollziehbar dass jeder, der zum ersten Mal hört er solle seinen Nächsten, also Freunde aber auch Fremde und sogar Feinde, lieben zuerst einmal überfordert damit ist. Meiner Meinung nach ist mit ‘lieben’ auch hier nicht Liebe im romantischen Sinn gemeint, sondern am einfachsten ausgedrückt Akzeptanz. Es gibt ja wirklich Leute, die man von Grund auf unsympatisch findet, die einfach eine völlig andere Weltansicht vertreten wie man selbst und die einen im schlimmsten Fall auch nicht besonders leiden können. Ich finde aber, dass man sich in solchen Fällen oft darauf zurückbesinnen sollte, dass man sich über Dinge streitet und nicht über die Menschen die diese Dinge vertreten. Freunden gesteht man ja auch zu Fehler zu haben oder andere Meinungen. Und so sollte man auch mit seinen Feinden umgehen, finde ich. Man muss ja nicht mit ihnen übereinstimmen, aber sicherlich sind auch sie Menschen, die gute Seiten haben und denen ihre Freunde die ‘schlechten’ Angewohnheiten nachsehen. Ich bin mir aber sicher, dass das jedem auch noch so gläubigem Menschen schwerfällt. Keiner ist unfehlbar, aber ich finde man sollte immer wieder versuchen jedem mensch eine Chance zu geben, schließlich wollen wir das doch auch.:)

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